Otto-Normal-Unternehmer – Transformation oder Disruption?

In “Transformiert Euch endlich!” hatte ich ja darüber geschrieben, dass vielen digitalen Veranstaltungsformaten eine wichtige Funktion zukommt, die manchmal vergessen wird – nämlich sich gegenseitig Mut zuzusprechen, vor dem was da kommt.
Und der ist bitter nötig, Denn ungern wird es gesagt – aber für viele Geschäftsmodelle wird es keine Transformation geben. Sie werden in Zukunft einfach nicht mehr gebraucht.
Transformation oder Disruption – das ist hier die Frage.


Das heisst im Klartext: nicht jedes Geschäftsmodell ist zu retten – und vor allem ist die Transformation zu einem Plattform-Modell wie es Apple und Google betreiben, für die meisten Unternehmen überhaupt keine Vision, die sie evolutionär aus ihrem alten Geschäft entwickeln könnten oder wozu sie die Kraft oder das Geld hätten.
 
 

The winner-takes-all

Die Realität der Netzökonomie ist, dass nur wenige Unternehmen an der Spitze, wirklich eine Plattform-Strategie verfolgen können, meist ist es genau ein Unternehmen welches am Ende damit erfolgreich ist. Das Marktplatz Internet ist in vielen Bereichen zu einem Winner-takes-it-all-Markt geworden.
In dieser Welt ersetzt der ‘Wettbewerb um den Markt’ den ‘Wettbewerb im Markt’. Im Zentrum eines solchen Ökosystems sitzt ein Market Maker, alle anderen Unternehmen müssen Ihre Strategien anpassen und degenerieren zu digitalen Pizzabringdiensten. Und den Marktbetreiber nimmt nicht etwa ein paar Prozent wie noch auf ebay, sondern direkt 30-50%. Apple, Google und Amazon machen es vor.
Für den herkömmlichen Reifenhändler oder Kleinverlag, für den ortsansässigen Apothekerbetrieb oder den Optiker sind das keine tauglichen Rezepte, um bei weiterlaufendem Bestandsgeschäft den Wandel einzuläuten. Diese Rezepte sind von der Realität in vielen Unternehmen zu weit weg und können daher nicht angegangen werden.
 

Transformation für Otto-Normal-Unternehmer

Für Unternehmen wie Taxifirmen, Gastronomiebetriebe, Kleinverlage u.a. müssen differenzierte Strategien der Transformation entwickelt werden, die völlig anders auszusehen haben als für ein mit viel Risikokapital ausgerüstetes Silicon-Valley-Startup.
Gerade kleine Unternehmen, die nicht die Kraft haben, eigene Netzsysteme aufzubauen, bleibt nur die Flucht in die Nische oder es wird radikales Cost-Cutting bevorstehen. Natürlich ist auch die Flucht aus dem Digitalen möglich – allerdings zeigen Projekte von BOSCH oder Google zu selbstfahrenden Autos, das auch Busfahrer in Zukunft ersetzt werden könnten.
Es wird schwer werden digitale Reservate zu finden, in denen sich der Lebensstandard der Bundesrepublik aufrecht erhalten lassen wird.
Aber auch wenn nicht jedes Unternehmen zur Plattform werden kann, gibt es tolle Beispiele für Serviceunternehmen, die ihre Kerndienstleistung derart modular und schlank gemacht haben, dass um sie herum kleine Nischen-Ökosysteme für Partner entstanden ist.
 

Gemeinschaft und Gegenseitigkeit

Aber wenn die Tänzer den nächsten Schritt gehen, und zusammenspielen, dann kann es gelingen. Mittelständler könnten sich zusammenschliessen und gemeinsam Plattformansätze verfolgen – am besten ausgegliedert und als reine Finanzholding betrieben.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es noch nicht zu spät ist. Tatsächlich braucht jede Macht eine Gegenmacht und auch zu früheren Zeiten gab es immer wieder erfolgreiche Kooperation gegen Formen der Konzentration.
Die Antwort auf die gewaltigen Konzentrationstendenzen unserer Zeit kann nur lauten: Kooperation und Partnerschaft. Wer das sucht, muss bereit sein, etwas abzugeben und seine Systeme nach außen öffnen.
 


Titelbild:
By Jean Mignon (earliest reference 1537 – c. 1556) (Details of artist on Google Art Project) [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

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